Signalskitchen's Blog

HF, VHF, UHF: Monitoring, DXing, SWL, Signal-Analyse & SDR

Presse-Spiegel Juli 2010

Nach fünf Monaten „Pause“ des Presse-Spiegels möchte ich nun wieder in regelmäßiger Abfolge über interessante Artikel aus den drei Leitmedien in Deutschland berichten. Im Presse-Spiegel für diesen Monat werde ich ein Blick auf folgende Artikel werfen:
Funkamateur
AOR AR-2300DX Black-Box-Empfänger, S. 684
Die aktuellen Neuigkeiten von der Bandwacht, S. 692
e-Callisto: ein Radiospektrometer z.B. für das Monitoring von 45 MHz – 870 MHz, S. 710 – 713

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“Black-Box-Empfänger“, Funkamateur Juli 2010, Seite 684
Laut Artikel wird boger electronics den Breitbandempfänger AR-2300DX in Kürze zum Verkauf bringen. Das von AOR als Black-Box-Empfänger gebaute Gerät erlaubt den Empfang von Signalen von 40 kHz bis 3150 MHz. Die Abstimmschrittweite beträgt 1 Hz bis 1 MHz. Die Scangeschwindigkeit wird mit 100 Schritten pro Sekunde angegeben.
Der Bereich von 40 kHz bis 25 MHz ist technisch als Direktmischer ausgeführt, 25 bis 200 MHz und 420 bis 3150 MHz als Doppelsuperhet, 200 bis 420 als Dreifachsuperhet.
Gesteuert wird der AR-2300DX mittels mitgelieferter Software, optional ist eine Signalanalyse-Software (AR-IQ) erhältlich, die es ermöglicht ein bis zu 1 MHz breiten Frequenzbereich aufzuzeichnen. Weitere Infos gibt es unter www.boger.de

„Aktuelles von der Bandwacht“, Funkamateur Juli 2010, Seite 692 – 693
Neben den noch „üblichen“ Eindringlingen auf dem erweiterten 40-Meter-Band, insbesondere oberhalb 7.100 kHz sind es Radiostationen, stellen die Autoren fest, dass die Türkei offensichtlich über ein „eigenes OTH-Radar (OTH = over the horizon)“ verfügt. Dieses OTH ist im 21 MHz-Band zu finden. Charakteristikum des Radars: Es arbeitet mit 50 Pulsen in der Sekunde. Es kann leicht mit dem seit Jahrzehnten arbeitenden Zypern-OTH der NATO verwechselt werden.

Die Bandwacht hat zudem festgestellt, dass „Russisches Militär (…) zunehmend in OFDM60“ sendet.

Im Artikel werden in Tabelle 2 die „Dauergäste“, d.h. regelmäßige oder dauerhaft vorhandene aufgelistet. Aus meiner Sicht interessant sind folgende Utilitiy-Stationen:
„10112,0 kHz – Türkisches Militärsystem Stanag4285, 8PSK, permanent, legal!“
„14000,0 kHz – Träger und oberes Seitenband, Mossad Israel mit Durchsagen für Agenten“
„14348,5 kHz – DPRK-FSK600, 600 Bd und 600 Hz Shift, Nordkoreanische Botschaft in Tripolis, Libyen, täglich morgens“
„21000,0 kHz – Intrudernetz in USB und Pactor 1 (verschlüsselt), Diplomatenfunk des sudanesischen Außenministeriums mit der Botschaft im Jemen“

„e-CALLISTO: ein Radiospektrometer für Profis und Amateure (3)“, Funkamateur Juli 2010, Seite 710 – 713

Im letzten Teil einer dreiteiligen Artikelserie (05/2010: Grundlagen der Radiospektronomie und das Projekt e-CALLISTO; 06/2010: e-Callistos Technik) widmen die Autoren Christian Monstein und Peter Wright den Blick auf den praktischen Einsatz des Selbstbau-Radiospektormeters e-Callisto.
Grundlegend kann gesagt werden, dass das Gerät nicht nur für Hobbyastronomen geeignet ist, sondern auch bei HF- und Radio-Monitoring-Interessierten auf Gegenliebe stoßen wird. Denn das Spektrometer erlaubt den Blick auf ein Frequenzabschnitt von 45 – 870 MHz! Somit ist dies eine zweckvolle Ergänzung im Shack, wenn zum Beispiel ein Perseus-SDR für das untere Frequenz-Segment eingesetzt wird.
e-CALLISTO wird grundsätzlich über einen Win-XP-Rechner angesteuert. Die Steuerung funktioniert über frei verfügbare Software (In der Hauptsache sind dies die Programme callisto.exe und FGeni.exe). „Das Aufnehmen der spektralen Übersicht dauert etwa 45 Sekunden, weil insgesamt 13.200 Kanäle zu messen und an den PC zu übermitteln sind.“ Die einzelnen Kanäle haben eine Breite von 62,5 kHz – mancher mag jetzt sagen, dass dies nicht ausreichend fein ist, um Jagd auf Aussendungen in notwendiger Präzision zu machen. Sicherlich ein guter Einwand, doch wenn man sich das gesamte Spektrum vor Augen hält, so ist eine bandweise Überwachung schon sehr aufschlussreich- z.B. wenn es darum geht UHF-Satelliten-Aktivitäten zu erkennen, um dann im Anschluss den Empfänger/Scanner genauer suchen zu lassen.
Da das aufgenommene Spektrum sehr groß ist und sich für eine Analyse nicht vernünftig auf einem Monitor darstellen lässt, werden die aufgenommene Signalpegel als rohe Messdaten (in mV) in ein ASCII-File geschrieben (eine Umrechnung in dB ist möglich, wenn man sein e-CALLISTO mittels Dummyload vermisst, um so das Geräterauschen später zu subtrahieren). Zur graphischen Darstellung des Spektrums ist es daher nötig, die Daten in Excel, Calc, MathCad, Maple, Mathemetica oder IDL zu importieren und entsprechend graphisch aufzubereiten. Dies ist in der heutigen Zeit, in der fast jeder Excel auf seinem Rechner hat, kaum ein nennenswertes Hindernis.
Der e-CALLISTO besteht aus einen handelsüblichen Phillips TV-Tuner CD1316, der auf einer Platine, die mit 2 ZF-Stufen, Filtern (letzte Stufe 300kHz), Microcontroller, EEPROM und RS232-Schnittstelle bestückt ist, montiert ist. Eine genaue Stückliste gibt es beim Funkamateur auf der Website. In Kürze wird es beim Shop des Funkamateur die notwendigen HF-Bauteile und die Platine geben, so die Autoren zum Abschluss des Artikels.

Wer sich für das Projekt interessiert, der findet auf dieser Seite die technische Dokumentation des e-CALLISTO-Instruments.

Ich bin gespannt und spiele schon jetzt mit dem Gedanken, mir einen e-CALLISTO aufzubauen – die Gesamtmaterialkosten belaufen sich laut Kalkulation der ETH auf ca. 160,- Euro. Die Platine kann über PCB-Pool für ca. 90,- Euro bezogen werden. Der Tuner ist schon im Shop des Funkamateurs mit 24,50 Euro gelistet und soll nach deren Angaben Ende Juni erhältlich sein. Ob auch die Platine über den FA zu beziehen ist, ist noch offen – eine Anfrage ist noch unbeantwortet. (1.7.: Update: Nach Rücksprache mit dem Funkamateur sieht es im Moment noch so aus, dass es lediglich bei dem Tuner bleibt – dieser ist aber jetzt erhältlich.)

14.9.10 – UPDATE: Nach einem Hinweis hier im Blog habe ich im Shop des Funkamateurs heute unter diesem Link die vom Funkamateur produzierte Platine gefunden. Diese wird ab Mitte September für 18,50 Euro erhältlich sein. So reduzieren sich die Gesamtkosten erheblich – eine tolle Nachricht!

Auf jeden Fall ein schönes Projekt, mal wieder vorgestellt im Funkamateur…

2 Kommentare»

  Wolfgang K. wrote @

Die Platine soll bis Mitte/Ende September ebenfalls für 18,50 Euro erhältlich sein.

  signalskitchen wrote @

Hallo Wolfgang,

danke für den Hinweis – ich nehme einmal an, Du beziehst Dich auf das eCallisto-Projekt, richtig?


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